Unternehmer*innen und Tiefstlohn-Betroffene setzen sich gemeinsam für den Mindestlohn von 23 Franken ein

Unternehmer*innen und Tiefstlohn-Betroffene setzen sich gemeinsam für den Mindestlohn von 23 Franken ein

Was heisst es, mit einem Tiefstlohn die Familie durchbringen zu müssen? Und warum ist es bestens möglich, als erfolgreiche*r Unternehmer*in faire Löhne zu bezahlen? Auf der Terrasse vom Lily’s haben heute Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen den Medienschaffenden aus ihrem Alltag berichtet. Die Betroffenen setzen sich gemeinsam mit Expert*innen für ein Ja zur Mindestlohn-Initiative am 13. Juni ein. Mit 23 Franken pro Stunde lässt es sich in Würde leben – das muss in unserem wohlhabenden und sozialen Kanton selbstverständlich sein.

Heute erhalten in Basel-Stadt rund 18’000 Menschen (jede zehnte Vollzeit arbeitende Person) einen so tiefen Lohn, dass auch eine Vollzeitstelle nicht reicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Zahl ist bedrückend. Und doch kann sie kaum zum Ausdruck bringen, welche schweren Schicksale mit Tiefstlöhnen verbunden sind.

«Ohne Sozialhilfe könnte ich meinen Kindern nicht einmal Kleider kaufen»

An dem heutigen Medienanlass vor dem Lily’s haben Betroffene von ihrem Alltag erzählt. Y.Melo, eine Angestellte im Zimmerservice (Reinigung) und alleinstehende Mutter mit zwei Kindern, ist verzweifelt: «Wenn ich 100% arbeite, verdiene ich knapp 3000 Franken im Monat. Wir drehen jeden Franken zweimal um. Luxus, wie ein Besuch im Restaurant, liegt sowieso nicht drin. Ohne Sozialhilfe könnte ich meinen Kindern nicht einmal Kleider kaufen.» Auch die kleinkinderziehende N.Pellegrino berichtet von ihrem Leben mit einem Tiefstlohn: «Der Mindestlohn verhilft mir und allen anderen, die Tiefstlöhne beziehen, zu Unabhängigkeit. Unabhängigkeit von staatlicher Unterstützungsleistungen. Und das wieder entlastet uns nicht nur finanziell, sondern auch emotional.»

Dieser Zustand ist Basel unwürdig. Sie alle hoffen, dass ihre engagierte Arbeit zukünftig fair entlöhnt wird. Nur ein Ja zur Mindestlohn-Initiative stellt sicher, dass alle Menschen von einer Vollzeitstelle leben können. So wird auch der Missstand korrigiert, dass sich Arbeitgeber*innen in gewissen Branchen mit einem Gesamtarbeitsvertrag anständigen Löhnen verweigern.

«Ich verstehe die Wirtschaftsverbände nicht. Mein Unternehmen floriert»

Die Gegner des Mindestlohns wissen, dass sie öffentlich nur schlecht unanständig tiefe Löhne verteidigen können. Weil ihnen zudem echte Argumente mit Fakten gegen die Initiative fehlen, illustrieren sie Schreckszenarien: Die Basler Unternehmen könnten sich 23.- pro Stunde nicht leisten, behaupten sie. Beschäftigungszahlen würden rasant sinken. Am Medienanlass haben ein Unternehmer sowie zwei Expert*innen aufgezeigt, dass das nur Ausreden sind.

Mustafa Atici führt als Inhaber seit knapp 20 Jahren erfolgreich ein Gastronomieunternehmen. Seine Angestellten verdienen bereits 23.- pro Stunde oder mehr. «Ich verstehe die Wirtschaftsverbände nicht. Es stimmt doch nicht, dass erfolgreiches Geschäften und faire Löhne nicht zusammen gehen. Das Gegenteil ist der Fall: Mein Unternehmen floriert. Anständig bezahlte Mitarbeitende sind auch langfristig top motiviert. Basel ist wirtschaftlich eine erfolgreiche und reiche Stadt. Wir dürfen niemanden hängen lassen.»

Reto Wyss, Wirtschaftsexperte des Schweizer Gewerkschaftsbundes, stützt diese Aussage: «Es ist absolut möglich, Mindestlöhne zu zahlen.» Dies sei nicht nur möglich, sondern auch notwendig und selbstverständlich für Basel, unterstreicht auch Sibel Arslan, Nationalrätin und Mitinitiantin der Mindestlohn-Initiative: Jede*r Basler*in soll in Würde von einer Vollzeitstelle leben können.